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Windows vs. Walls: Microsoft kämpft gegen Vorurteile
In letzter Zeit macht eine bekannte Marke immer wieder von sich reden: Microsoft. Sage und schreibe 300 Millionen Dollar hat der Softwarehersteller in eine Werbekampagne investiert, die das angeschlagene Image ihres Betriebssystems Windows aufpolieren soll.
Erst neulich wurden die beiden ersten Spots aus der Serie über das „einfache Leben" von Bill (Gates) und Jerry (Seinfeld) veröffentlicht, aber mit enttäuschendem Ergebnis. Als viel zu lang, kompliziert und detailverliebt, ohne erkennbare Pointe und vom Publikum unverstanden wurde die Werbung von Blogs und Presse gleichermaßen verrissen. Nun zieht das Unternehmen die Notbremse und verkündet, dass Jerry Seinfeld nicht weiter für Microsoft werben wird. Merkwürdige Zufälle gibt’s… Stattdessen zaubert Microsoft plötzlich einen eher klassischen Werbespot aus dem Hut.
Das Interessante an diesem neuen Projekt: Microsoft reagiert darin direkt auf die Werbung seines Konkurrenten Apple, die seit einiger Zeit sowohl Applefans als auch (markentechnisch unbeleckte) Freunde humorvoller Werbung in ihren Bann zieht. Seit 2006 präsentiert Apple regelmäßig neue Folgen aus der Serie Get a Mac, in der „PC“ immer von einem etwas lächerlich wirkenden Herrn um die 50 in Anzug und Krawatte verkörpert wird, der jedes Mal von "Mac" (jung, dynamisch und ja, vermutlich auch ledig) durch den Kakao gezogen wird.
Dieser neue Spot von Microsoft beginnt nun mit einem Herrn, der dem PC aus der Mac-Werbung verdächtig ähnlich sieht und sich mit folgenden Worten vorstellt: "Hello, I’m a PC. And I have been made into a stereotype.” ("Hallo ich bin ein PC, und man hat mich zu einem Stereotyp gemacht"). Und viele andere Menschen, jung und alt, groß und klein, uncool und hip, tun es ihm nach und erzählen uns, sie seien auch ein PC (und stolz darauf, versteht sich). Unter ihnen finden wir übrigens auch Tony Parker und Eva Longoria. Angesichts der Tatsache, dass Microsoft weltweit tätig ist, war diese Wahl sicherlich weiser als die des außerhalb der USA nicht besonders bekannten Jerry Seinfeld.
Im Gegensatz zu den beiden misslungenen Spots mit Seinfeld weiß der Betrachter hier wenigstens, worum es geht, auch wenn der Slogan „For a life without walls“ („Für ein Leben ohne Wände“) ein bisschen unbeholfen daherkommt. Klar, man versteht die Botschaft, aber „ohne Grenzen“ wäre vielleicht etwas prägnanter gewesen. Außerdem beißt sich die Katze damit selbst in den Schwanz – denn wofür braucht man noch Windows, also Fenster, wenn man wegen fehlender Wand sowieso schon klare Sicht hat? Wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass hier kommunikatives Unwesen getrieben wird. Dieser abrupte Wechsel von einem Konzept („The future is delicious“) zum nächsten („Windows vs. Walls“) gibt doch ein wenig zu denken. So ganz überzeugt sind wir bis jetzt nicht.

Das wandlungsfähige und wandlose Abenteuer geht auf jeden Fall weiter, auf der Webseite zur Aktion, auf der eine ganze Galerie von PC-Nutzern präsentiert wird. Bis die Fortsetzung zu diesem Spot herauskommt empfehlen wir Ihnen, sich einstweilen mit den „Get a Mac“-Spots zu vergnügen. Einer unserer Favoriten ist dieser hier:
Kleiner Nachtrag: Soeben haben wir erfahren, dass die Kampagne auf Apple-Rechnern entwickelt wurde... Microsoft lässt dazu verlauten, es sei für Kommunikationsagenturen normal, sowohl auf Macs als auch auf PCs zu arbeiten. Stimmt schon. Aber hätte man für eine solche Kampagne nicht eigentlich eine Ausnahme machen müssen?
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